Robben in der Ostsee

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Robben in der Ostsee

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Veröffentlicht von Stefanie Schlosser in Natur · 17 März 2022
In den 1970er Jahren hatten die Populationen der verschiedenen Robbenarten in der Ostsee ein historisches Minimum erreicht. Tatsächlich waren die Robben kurz davor, von den schwedischen Küsten zu verschwinden. Der Hauptgrund für das Beinahe-Aussterben der Robben waren die Umweltgifte PCB (Polychlorierte Biphenyle) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan). Als Spitzenprädatoren stehen Robben am oberen Ende der Nahrungskette und reichern daher diese Gifte in ihrem Körper an.

Spitzenprädatoren spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie das Gleichgewicht zwischen verschiedenen Arten regulieren. Robben fangen den Fisch, der am häufigsten vorkommt, und sie jagen vorzugsweise bereits geschwächte Individuen.

Alle Robben gehören zur biologischen Gruppe (Taxon) der Flossenfüßer (Pinnipedia), welche drei taxonomische Familien umfasst - die Ohrenrobben (Otariidae), die Hundsrobben (Phocidae) und die Walrosse (Odobenidae). Alle drei in Schweden vorkommenden Arten gehören zu den Hundsrobben. Der Seehund (Phoca vitulina) lebt nur an der schwedischen Westküste und in der Kalmarstraße. Die Ringelrobbe (Phoca hispida) kommt ganz im Norden der Ostsee, entlang der schwedischen und finnischen Küste vor. In Sörmland findet man die Kegelrobbe (Halichoerus grypus), die größte Robbenart Schwedens.
 
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Alle Robben sind nicht nur erstaunliche Schwimmer, sondern auch großartige Taucher. Ihre Körper sind auf verschiedene Weise an das Tauchen angepasst. Bevor sie in die Tiefen des Wassers hinabtauchen, atmen Robben die gesamte Luft aus. Was uns Menschen seltsam vorkommen mag, schützt die Lungen der Robben, da sie so in der Lage sind, ihre Nasenlöcher und ihren Rachen beim Tauchen vollständig zu verschließen. Landsäugetiere wären nicht einmal in der Lage, ihre Lungen nach einem vollständigen Entleeren und Zusammendrücken wieder aufzublasen. Robben haben damit kein Problem. Da ihr Blut mehr rote Blutkörperchen und damit mehr Hämoglobin enthält, kann es mehr Sauerstoff speichern als zum Beispiel menschliches Blut. Außerdem enthält das Muskelgewebe der Robben mehr Myoglobin, ein sauerstoffbindendes Protein.



Infolge dieser Anpassungen können Robben etwa 20-25 Minuten lang tauchen, obwohl sie zu Beginn des Tauchgangs ausatmen. Jeder, der schon einmal getaucht ist - mit oder ohne Flasche - wird mit dem Druckanstieg, der bereits bei einem leichten Abtauchen unter Wasser auftritt, vertraut sein. Wie gehen Robben damit um? Offensichtlich können sie sich nicht die Nase zuhalten und gleichzeitig ausatmen, um den Druck auszugleichen. Stattdessen befinden sich in ihrem Mittelohr Hohlräume, die sich bei Tauchgängen mit Blut füllen. Blut wird im Gegensatz zu Luft nicht komprimiert und schützt die Robbe daher vor Ohrenverletzungen.
 
Wie schlafen Robben? Da sie mehrere Monate im Meer verbringen können, müssen sie auch im Wasser schlafen können. Dabei schlafen sie nur einige Minuten am Stück, und ähnlich wie bei Walen und Delfinen bleibt die Hälfte ihres Gehirns wach. Wenn Robben an Land schlafen, befindet sich ihr gesamtes Gehirn im Schlafzustand.
 

Obwohl alle Robbenpopulationen in Schweden in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben und die schlimmsten Umweltgifte (PCB und DDT) heute verboten sind, gibt es weitere Bedrohungen. Der Klimawandel wirkt sich stark auf den Umfang und die Dauer der Meereisbedeckung aus. Die Ringelrobbe ist vollständig auf das Meereis angewiesen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und zu säugen. Sogar die Jungen der Kegelrobben an der Küste von Sörmland weisen eine höhere Überlebensrate auf, wenn sie auf dem Eis geboren wurden. Im Vergleich zum Säugen an Land findet die Robbenmutter auf dem Eis eine ruhigere Umgebung und mehr Platz vor. Dadurch wird auch verhindert, dass sich ansteckende Infektionen über ganzen Populationen hinweg ausbreiten, welche an Land oft auf kleinstem Raum zusammenleben.  
 
Heute hat sich der Tourismus um die Robbenpopulationen herum entwickelt und es werden zum Beispiel Robbensafaris in den Stockholmer Schären angeboten.
 
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Quellen:


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