Sphagnum - mehr als nur ein kleines Moos

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Sphagnum - mehr als nur ein kleines Moos

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Veröffentlicht von Stefanie Schlosser in Natur · 14 April 2022
Tags: SphagnumTorfmoos
Torfmoose (Sphagnum spec.) sind sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich von großer Bedeutung. Weltweit gibt es etwa 380 Sphagnum-Arten (Sphagnaceae), die nur von Spezialisten unterschieden werden können. Oftmals ist sogar ein Mikroskop erforderlich, um die entscheidenden Details einiger Arten zu erkennen.


Abb.1: Vielfalt an Torfmoosen (Sphagnum spec.) in Sörmland (2020-2021).

Alle Sphagnum-Moose bestehen aus einem zentralen Stamm mit Seitenästen und kleinen Blättern. Torfmoose gehören zur taxonomischen Abteilung der Laubmoose (Bryophyta) und sind nicht-vaskuläre Pflanzen, also keine Gefäßpflanzen. Sie verfügen daher über kein Gefäßsystem für den Transport von Wasser und Nährstoffen im Inneren der Pflanze. Die Zellen sind einfach so dünn, dass das Wasser durch Diffusion ein- und ausströmen kann. Daher können Moose auch sehr leicht austrocknen. Alle Sphagnum-Arten bestehen aus nur zwei Zellentypen! Der eine Typ enthält Chlorophyll und ist für die Photosynthese zuständig. Die anderen Zellen, sogenannte Hyalinzellen, sind tonnenförmig und dienen als Wasserspeicher. Durch Poren können sie sich wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen. Sphagnum-Moose können das 25-Fache ihres Trockengewichts an Wasser speichern. Darüber hinaus können sie das gespeicherte Wasser durch die Poren wieder abgeben, und damit die Umgebung sumpfig halten.


Abb.2: Photosynthesezellen (grün) und Hyalinzellen (weiß) eines Sphagnum-Mooses unter dem Mikroskop.

Da Torfmoose nur aus einem Stängel und Blättern bestehen, haben sie weder Wurzeln noch ein wurzelähnliches System. Sie wachsen oben immer weiter, während der untere Teil aufgrund von Sauerstoffmangel abstirbt und verrottet. Dadurch tragen Torfmoose, wie der Name schon vermuten lässt, wesentlich zum Aufbau von Torf bei. Das folgende Bild zeigt ein Bündel Torfmoos mit langen Stängeln, die sich im Absterben bereits gelb/weiß gefärbt haben.


Abb.3: Ein Bündel Sphagnum-Moos in Sörmland (2021).

Torfmoose wachsen am besten in Feuchtgebieten mit einer sauren Bodenchemie. Sie sind die wichtigsten Arten im Ökosystem Hochmoor. Da sich abgestorbenes Pflanzenmaterial unter diesen Bedingungen nicht vollständig zersetzt, bildet sich über lange Zeiträume Torf. Während viele andere Pflanzen in diesen extremen Umgebungen nicht überleben können, ist das Torfmoos selbst perfekt an die sauren Bedingungen angepasst und verstärkt sie sogar noch, indem es Säuren an seine Umgebung abgibt. Es passt seinen Lebensraum einfach so an, wie es ihm und einigen anderen angepassten Arten am besten passt.

Hochmoore werden von spezialisierten Pflanzen und Tieren bewohnt, die oft ausschließlich in diesen Ökosystemen vorkommen. Die Kultivierung von Mooren zur Gewinnung von landwirtschaftlichen Flächen setz diverse Arten unter Druck, da diese nur an den spezifischen Lebensraum der Torfmoore angepasst sind.

Außerdem werden große Mengen an Kohlenstoffdioxid und Methan in den Mooren gebunden und durch ihre Zerstörung freigesetzt. Die Kultivierung von Torfmooren trägt daher auch in einem massiven und oft unterschätzten Ausmaß zur globalen Erwärmung bei, während ungestörte Moore auf natürliche Weise Kohlenstoffdioxid absorbieren und es für viele tausend Jahre im Torf gebunden halten – wenn nicht der Mensch es wieder freisetzen würde.
 
Kurios: Sphagnum-Moos wurde im Ersten Weltkrieg als Ersatz für Baumwolle in Krankenhäusern verwendet. Es kann nicht nur Flüssigkeiten bis zum 25-fachen seines Trockengewichts aufnehmen, sondern hat auch antiseptische Eigenschaften, die in Kriegszeiten und unter unhygienischen Bedingungen natürlich sehr geschätzt wurden. Torfmoos wurde auch in Babywindeln verwendet und ist immer noch ein großer Bestandteil von Gartenerde, die jeder von uns in Gartencentern kaufen kann. Leider kann man somit unbewusst zur Zerstörung der Torfmoore beitragen, wenn man sich doch eigentlich nur für die Anlage eines eigenen Gartens begeistert.
 

In den Wäldern von Sörmland ist Sphagnum fast überall zu finden! Es ist bei weitem nicht auf Torfmoore beschränkt, sondern kommt oft in kleinen Senken vor, wo das Makrohabitat etwas feuchter ist als in den umliegenden Wäldern.
 
Ich persönlich habe mich in diese Moose verliebt. Auch wenn ich nicht alle Arten unterscheiden kann, liebe ich es, ihre Vielfalt zu sehen und Unterschiede in Form und Farbe zu entdecken. Für mich sind die Sphagnum-Moose eine echte Schönheit! Bei allen geführten Wanderungen lernen meine Gäste etwas über Torfmoose und ihre Biologie. Da sie ja nicht im Boden verwurzelt sind, ist es ein Leichtes, ein paar Stängel als Anschauungsobjekt aufzuheben und wieder zurückzusetzen, ohne ihnen dabei Schaden zuzufügen.


Abb.4: Das Thema Torfmoose ist stets Teil meiner geführten Wanderungen (links 2021, rechts 2020).

Mehr Informationen zu meinen geführten Wanderungen in Sörmland sind auf meiner Webseite zu finden: Sweden Experience Tours
Quellen:


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© Stefanie Schlosser 2021
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