Die nacheiszeitliche Landhebung - Schweden wächst!

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Die nacheiszeitliche Landhebung - Schweden wächst!

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Veröffentlicht von Stefanie Schlosser in Eiszeit · 10 März 2022
Tags: EiszeitLandhebung
Während der letzten Eiszeit (ca. 115 000 bis 10 000 Jahre vor heute) war ganz Skandinavien von einem ca. 2 km dicken Eispanzer bedeckt. Diese Eismassen übten durch ihr enormes Gewicht großen Druck auf die Erdkruste aus, welche dadurch in den weicheren Erdmantel gedrückt wurde.
 
Mit dem Abschmelzen der Gletscher zum Ende der letzten Eiszeit begann ein Umkehrprozess, die nacheiszeitliche (postglaziale) Landhebung. Wie ein Korken, der unter Wasser gedrückt war, schwimmen die Landmassen nun wieder auf dem zähflüssigen Erdmantel. Der Prozess des „Zurückschnellens“ verlief natürlich deutlich langsamer als beim metaphorischen Korken. Über die Jahrtausende hinweg kommt jedoch einiges zusammen und so beträgt die Landhebung an gewissen Stellen inzwischen gut 800 Meter, verglichen mit der maximalen Absenkung während der Vergletscherung.

Die Geschwindigkeit, mit welcher die Landhebung von statten geht, hat über die Zeit abgenommen, beträgt aber immer noch etwa 1 cm pro Jahr im Gebiet Höga Kusten und etwa 5-6 mm pro Jahr in Stockholm und Sörmland. Die folgende Abbildung zeigt die Küstenlinien in Stockholm 7000 Jahre vor heute und 3200 Jahre vor heute. Der Zuwachs der Landmasse (braun dargestellt) ist deutlich zu erkennen.
 

Abb.1: Landhebung in Stockholms län; links 7 000 Jahre vor heute, rechts 3 200 Jahre vor heute; Landmasse in braun.

Spuren der Landhebung
Mit der Hebung der Landmassen geht natürlich ein Absinken der Strandlinie einher. „Fossile Strände“ zeugen von den ehemaligen Küstenlinien und können heute mehrere Kilometer von der Ostsee entfernt liegen. Im Marvikarna Naturreservat beispielsweise kann man bei genauem Hinsehen die damaligen Steinstrände entdecken, die heute im Wald ca. 80 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Erkennbar sind die gerundeten Steine, welche so nur durch den Einfluss des Wassers geformt werden konnten. Der Aussichtsturm, heute auf gut 90 m über NN, steht auf einer ehemaligen Schäreninsel.

Die Halbinsel Femöre, südlich von Nyköping gelegen, ist auf einer Karte von 1454 in Form von nur fünf Felsen im Meer dargestellt. Fem bedeutet fünf auf Schwedisch und ör ist ein altes Wort für Stein oder Kies. Dieses beliebte und bekannte Ausflugsziel ist also erst während der letzten 500 Jahre aus der Ostsee aufgetaucht – wortwörtlich.
 

Abb.2: "Fossiler Strand", ehemalige Küstenlinie auf der heutigen Halbinsel Femöre (2021).

Wie geht es weiter?
Durch den globalen Meeresspiegelanstieg ist es wahrscheinlich, dass die Effekte der Landhebung bald nicht mehr bemerkbar sind, beziehungsweise sogar trotzdem ein Anstieg des Meeresspiegels zu beobachten sein wird. Dies hängt natürlich ganz von den globalen Entwicklungen ab. Auf alle Fälle werden jedoch die direkten Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs in Skandinavien zunächst durch die Landhebung kompensiert und damit verlangsamt.

Quellen:


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© Stefanie Schlosser 2021
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